Wissenswertes rund ums Auge

Die Augen "verderben": Wahrheit oder Ammenmärchen?

Bekommen Kinder vom "unter der Bettdecke lesen" schlechte Augen? Und kann der Augapfel beim Verdrehen stehen bleiben? Nein, sagt die Augenheilkunde. Der Volksglaube über das "Augenverderben“ ist ein Irrglaube. Trotzdem sollte man das Sehvermögen von Kindern gut beobachten.

Das haben wir alle schon als Kind zu hören bekommen: Wer bei schlechtem Licht liest, "verdirbt" sich die Augen. Viele geben die Weisheit an ihre Kinder und Kindeskinder weiter. Doch dieser Volksglaube hält keiner wissenschaftlichen Prüfung stand. Das Lesen bei Schummerlicht hat auch auf lange Sicht keinen Einfluss auf die spätere Sehschärfe. Wenn überhaupt, kann es zu kurzzeitigen Kopfschmerzen und Ermüdungserscheinungen führen. Letztendlich schädigt man ja auch nicht seine Augen, wenn bei Dunkelheit anderen Tätigkeiten nachgegangen wird. Möglicherweise wurde dieses "Gerücht" von Eltern und Erziehern in die Welt gesetzt, um Strom zu sparen oder in früheren Zeiten dem gefährlichen Gebrauch von Kerzen vorzubeugen.

Angst hilft mehr als Schimpfen und Strafen
Falsch ist auch die uralte Weisheit, dass Augen beim gewollten "Verdrehen" oder "Rollen" stehen in falscher Position bleiben können. Es wurde bis heute in der Fachliteratur kein einziger Fall beschrieben, wo sich ein Schielen aufgrund derartiger Kinderscherze entwickelt hätte. Vermutlich greifen Erwachsene dieses Märchen aber auch heute immer noch auf, um Kindern das ungehörige Fratzenscheiden zu verleiden. Schließlich hilft die Angst vor bleibenden Schäden mehr als alles Strafen und Schimpfen.

Was sind die wahren Ursachen für Fehlsichtigkeit?
Fehlsichtigkeiten wie Kurz- oder Weitsichtigkeit sind in den meisten Fällen angeboren und entwickeln sich in den ersten Lebensjahrzehnten. Kurzsichtige sehen in der Ferne unscharf. Schuld daran ist ein zu langer Augapfel oder eine zu hohe Brechkraft von Linse oder Hornhaut. Einfallende Lichtstrahlen bündeln sich dadurch nicht auf der Netzhaut sondern davor. Bei Weitsichtigen ist der Augapfel zu kurz oder die Brechkraft von Linse oder Hornhaut zu gering. Beim Betrachten naher Objekte liegt der Brennpunkt des Lichtes hinter der Netzhaut. Weitsichtige sehen deshalb im Nahbereich unscharf.

Wie kommt es zum Schielen?
Schielen kann verschiedene Ursachen haben: Nicht oder falsch korrigierte Fehlsichtigkeiten, angeborene Brechungsfehler, Linsentrübungen oder Verletzungen des Auges. Darüber hinaus spielen auch genetische Faktoren eine Rolle. Wenn Vater oder Mutter schielen, ist das Risiko, dass auch der Nachwuchs schielt, höher als bei normalsichtigen Eltern. Beim kindlichen Schielen spricht man vom Begleitschielen. Es tritt bei rund drei Prozent aller Neugeborenen auf. Darüberhinaus gibt es auch das normosensorische Spätschielen: Hierunter versteht man Schielen, das bei Kindern ab dem 3. Lebensjahr plötzlich nach einer Erkrankung wie z.B. einem Infekt auftritt. Diese Kinder waren vorher vollkommen unauffällig, benötigen daher eine sofortige Behandlung mit Augenmuskel-Operation, um das räumliche Sehen wieder zurückzuerlangen.

Spätestens im zweiten Lebensjahr zum Augenarzt
Da Kinder sich des schlechten Sehens nicht bewusst sind – sie kennen es ja nicht anders – und sich deshalb auch nicht beklagen, fallen kleinere Sehfehler manchmal erst bei der Einschulungsuntersuchung auf. Doch dann ist es für unkomplizierte Korrekturen oft schon zu spät.

Um bei Fehlentwicklungen des Sehens rechtzeitig eingreifen zu können, sollte man bereits die Kleinsten hinsichtlich ihres Sehvermögens gut beobachten und spätestens im zweiten Lebensjahr von einem Augenarzt untersuchen lassen. Wenn Schielen bereits von einem anderen Familienmitglied bekannt ist, sollte man den Augenarzt auch schon früher aufsuchen. Gleiches gilt, wenn sich Symptome für schlechtes Sehen zeigen. Dazu zählen zum Beispiel häufiges Zwinkern, häufiges Kopfschiefhalten, ungeschicktes oder unsicheres Greifen, oder Augenzittern. Augenärzte können ein mögliches Schielen bereits bei Säuglingen feststellen und therapieren.

August 2009

 

Entgegen dem Volksglauben werden die Augen durch häufiges Lesen 
bei unzureichendem Licht nicht schlechter.
Entgegen dem Volksglauben werden die Augen durch häufiges Lesen bei unzureichendem Licht nicht "schlechter".


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